Alles im Blick – Flottenmonitoring von MR bei der Etschwerke Netz AG in Bozen


Seit Herbst 2014 haben die Etschwerke Netz AG das neue Flottenmonitoring TESSA® der Maschinenfabrik Reinhausen im Einsatz – und damit eine noch bessere Kontrolle über die Transformatoren in den Umspannwerken Bozen und Naturns. Durch die detaillierten Informationen und die übersichtliche Visualisierung können die Betriebsmittel optimal eingesetzt werden.

In Bozen (Südtirol) befindet sich der Hauptsitz der Etschwerke Netz AG, dem größten Energieversorgungsunternehmen Südtirols. Das Netz der Gesellschaft umfasst 33 Gemeinden, darunter auch die am dichtesten besiedelten Städte (Bozen, Meran, Leifers), auf einer Fläche von insgesamt etwa 1077 km². Jährlich werden über 1000 Millionen Kilowattstunden sicher und zuverlässig an die 140.000 Kunden verteilt. Dafür sorgen 15 Umspannwerke, 20 Hauptumspannstationen, 24 Hauptverteilerstationen, 1688 Ortsnetzstationen und über 3.000 km Kabel und Freileitungen.

Der Anspruch des Unternehmens ist es, die Kunden qualitativ, unterbrechungsfrei und effizient mit Strom zu versorgen – und das gelingt der Etschwerke Netz AG laut Kundenumfragen besonders gut. Diese Position wurde auch durch den Einsatz neuer und innovativer Technologien erreicht. So ist es nicht verwunderlich, dass die Etschwerke Netz AG als eines der ersten Unternehmen Europas auf das neue Flottenmonitoringsystem TESSA® der Maschinenfabrik Reinhausen (MR) setzen. „Unser Ziel ist es, das Netz möglichst intelligent zu gestalten. Wir möchten mit den Informationen, die wir im Netz haben, soviel wie möglich anfangen, um das Netz noch stabiler, effizienter, kostengünstiger und sicherer zu betreiben. Allerdings prüfen wir neue Technik natürlich sehr intensiv, bevor wir uns für eine Umsetzung entscheiden. Sicherheit geht vor und der Nutzen entscheidet“, so Ing. Andreas Bordonetti, Generaldirektor Etschwerke Netz AG.

Nachdem das Durchschnittsalter von Leistungstransformatoren steigt und 30 Jahre mittlerweile Realität sind, steigen auch der Bedarf und die Notwendigkeit einer lückenlosen Zustandsüberwachung. Die sechs Transformatoren unterschiedlicher Hersteller aus den Umspannwerken Bozen und Naturns sind zwischen 5 und 39 Jahre alt und werden in der Spannungsebene 220/66 kV eingesetzt. Die Anforderungen der Etschwerke Netz AG an das System waren neben der Datenerfassung und – anreicherung eine daraus abgeleitete Wartungsempfehlung und Interpretation. „Vorbeugung ist das Entscheidende – wir wollen reagieren können, bevor der Alarmfall eintritt oder ein größerer Schaden entsteht. Dazu benötigen wir alle relevanten Informationen, die mit einer intelligenten Software aufbereitet werden“, bringt es Stefano Springhetti, Projektverantwortlicher Etschwerke Netz AG, auf den Punkt. „Aufgrund unserer langjährigen Partnerschaft mit MR wussten wir, dass auch das Flottenmonitoring unsere Anforderungen erfüllen wird.“

ISM® - die Grundlage

Die Grundlage für das Monitoring bildet die neue ISM®-Plattform der MR. Als einheitliche Hard- und Softwarebasis erfassen und bewerten die flexibel einsetzbaren Module alle relevanten Betriebsdaten eines Leistungstransformators. Egal, ob einfache Zustandsanzeige oder individuelle Reportgenerierung, ISM® überzeugt durch ein vielfältiges Funktionsangebot und einen besonders hohen Bedienkomfort.

Das System ermöglicht die kundenspezifische Erweiterung der Basisfunktionen durch individuell wähl- und kombinierbare Zusatzmodule und Funktionspakete, die auch nachträglich berücksichtigt und eingebaut werden können. Zu den Funktionspaketen gehören nicht nur Standardfunktionen, wie die Spannung- und Temperaturmessung, sondern weitreichende Funktionen wie Gas-in-Öl Analyse (DGA) und Stufenschaltermonitoring. Auch die Visualisierung und Aufbereitung der Messwerte bietet ein Höchstmaß an Flexibilität. Über eine Ethernet-Schnittstelle werden alle Messwerte, Ereignisse und Binär-Zustände lokal auf einen PC oder per Fernzugriff in die Leitstelle übertragen.

Das System macht Betriebszustände transparent, ermöglicht die Analyse von aktuellen und historischen Betriebsdaten und unterstützt den Fachmann beim frühzeitigen Erkennen von kritischen Situationen. Bei der Etschwerke Netz AG wurden die ISM®-Komponenten entweder direkt in den Motorantrieb eingebaut, in einem separaten Gehäuse am Transformator an-gebracht oder – entkoppelt vom Transformator - in einem Schaltschrank in der Warte integriert. Das zeigt die flexiblen Einbaumöglichkeiten, die- je nach Transformator und Gegebenheiten vor Ort -unterschiedlich ausfallen können.

Aufgabe des Monitoring-Systems ist es, den Betrieb, die Auslastung, die Wartung und den Austausch der Betriebsmittel bestmöglich planbar zu machen. Im Vordergrund steht dabei natürlich die Umsetzung der individuellen Kundenanforderungen in ein praxisgerechtes System. „Ganz entscheidend war die Beratungsleistung seitens MR und die Einbindung in unsere bestehende Softwarearchitektur“, so der Projektleiter.

Bei der Etschwerke Netz AG werden eine Vielzahl von Daten an den mit ISM® ausgestat-teten Transformatoren gesammelt – darunter Gas-in-Öl, Ölfeuchte, Wirkleistung, Schein-leistung, Blindleistung, Laststrom, Lastspannung, Umgebungstemperatur und Ölstand ebenso wie die Stufenschalterstellung und der Kontaktabbrand von Schalt- und Widerstandskontakt. Basierend auf diesen Daten wird definiert, welche Aktion wann passieren soll. Das sind beispielsweise Wartungshinweise, Statusinformationen oder Warnmeldungen.

Alles im Blick mit dem Flottenmonitoring TESSA®

 


ISM® ist ein sogenanntes Feldgerät, das die definierten Daten je Transformator zur Verfü-gung stellt. Für eine übergeordnete und übersichtliche Visualisierung aller Transformatoren sorgt TESSA®. Das „E“ im Produktnamen ist besonders wichtig – es steht für „Enrichment“. Das heißt, dass die Daten nicht nur in einer zentralen Datenbank gesam-melt, sondern angereichert und interpretiert werden. Hier kommen die Erfahrung und das Expertenwissen von MR zum Einsatz. Die Software liefert zuverlässige Ergebnisse und Handlungsempfehlungen für den Asset Manager zur Reduktion seiner Wartungskosten und der Minimierung von Risiken und Ausfällen. Zusätzlich gestattet die Software eine einfache und zentrale Service- und Einsatzplanung. Verschiedene Darstellungen im TESSA® Flottenmonitoring erlauben – je nach Bedarf – einen schnellen Check oder eine de-taillierte Betrachtung der einzelnen Betriebsmittel, wie auch der gesamten Flotte. Bei kriti-schen Ereignissen erfolgt eine Benachrichtigung zusätzlich per Email oder SMS. Eine fundierte Trendanalyse und Vergleiche zwischen den Betriebsmitteln sind ebenso Be-standteil des Systems wie eine Historienbetrachtung. „Wir wollen die Historie des Trans-formators nachführen – sozusagen die Lebens-Geschichte nachvollziehen können. Das sind für uns sehr wichtige und aufschlussreiche Informationen, die auch als Grundlage für künftige Entscheidungen dienen“, so Generaldirektor Andreas Bordonetti.

Aber TESSA® bietet noch mehr. Die Verantwortlichen der Etschwerke Netz AG beschäftigen sich bereits mit der Erweiterung des Systems. Im nächsten Schritt soll auch die Druckpegelmessung des Leistungsschalters eingebunden werden. Da dieser Wert nichts mit dem Transformator direkt zu tun hat, wird auch die grafische Darstellung angepasst. Die Vorteile liegen auf der Hand – eine Benutzeroberfläche, eine Installation, ein Ansprechpartner und nur ein System, das in die Kommunikationsarchitektur eingebunden werden muss. Alle Werte in einer Software und auf einen Blick.

Ein einfaches Nachrüsten ist sowohl bei ISM® als auch bei TESSA® problemlos möglich. Die ISM®-Module können kostensparend direkt an vorhandene Sensoren angebunden werden und finden entweder im Motorantrieb des Laststufenschalters, als separater Schaltschrank oder in vorhandenen Schränken in der Leitwarte ihren Platz. TESSA® nutzt schon vorhandene Kommunikationswege wie Datenleitungen oder bestehende Leitsysteme.

 „Bis jetzt können wir sagen, dass das System durch Handling, Effizienz und Intelligenz überzeugt. Wir haben das Projekt sorgfältig und in einer angemessenen Zeit umgesetzt und sind damit in der Praxis sehr zufrieden“, so das Fazit von Hr. Springhetti.

 
t.krueger@reinhausen.com  

 

 

 

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